STOOTSIE

Maximum Rhythm’n’Soul from Salzburg

Mit „Never A Straight Line“ veröffentlicht heuer die Salzburger Pop-Koryphäe STOOTSIE nach „Riverside Tales“ (2019) erneut eine Sammlung funkelnder Pop-Perlen zwischen grossen Gefühlen und kleinen Alltagsbeobachtungen.

Dabei wurde diesmal u.a. auch auf 2 vermeintliche „lost tracks“ auf alten Harddisc-Recordern zurückgegriffen, aber auch die Magie von „First Takes“ neu erkundet.

Music

Vor 30 Jahren, im Herbst 1991, veröffentlichte Stootsie mit The Seesaw die erste EP „Mercy! Beat“ auf dem eigenen Free Fall Records Label. Wobei die vermeintliche „Band“ The Seesaw zu diesem Zeitpunkt aber nur aus Stootsie bestand, der alle Instrumente selber eingespielt hatte.

Ältere Ö3-„Musikbox“- und „Nachtexpress“-Fans können sich wahrscheinlich noch an den Song „Putney Bridge“ erinnern, der damals in der Prä-FM4-Zeit oft aus dem Radio zu hören war.

Nach einigen personellen Zu- und Abgängen konsolidierte sich The Seesaw relativ schnell zum energetischer PowerPop Trio und wurde in den 1990ern und 2000er Jahren von Festival zu Festival gereicht. Es folgten Tourneen mit den Mekons oder den Pretty Things quer durch Österreich und Deutschland. Jedoch wurde das Trio vor allem durch Konzerte in England und Kalifornien zu einer ebenso grandiosen wir sympathisch unprätentiösen Liveband zusammengeschweißt.

Mit „All the Same“ (2003) und „Generation Love“ (2004) schafften sie es schließlich auch an die Spitze der österreichischen FM4-Charts.

20 Jahre nach dem Erstling von The Seesaw erschien im November 2011 mit „Running Around“ das erste, von der Kritik hochgelobte, Soloalbum von Stootsie.
2019 meldete er sich mit „Riverside Tales“ nach längerer Pause wieder als Solo-Artist mit einer Handvoll Pop-Perlen zurück, die die lange Wartezeit mehr als wett gemacht habe

Live

Bis man 10.000 Streams zusammen hat, dauert es ein Weilchen. Da ver- kaufe ich lieber zwei CDs und hab ́ das gleiche Geld beisammen,“ sagt Michael Steinitz, Salzburger Musiklegende seit den Tagen seiner Band The Seesaw. Die spielte in den frühen 2000ern gar in Kalifornien und Liverpool. Im Kinofilm „In 3 Tagen bist du tot“ war sie zu hören, Adrian Goiginger („Die beste aller Welten“, „Rickerl“) vergatterte sie zu seinem Maturaprojekt.

Solo macht Steinitz unter seinem Spitznamen „Stootsie“ Musik. Großes Ge- schäft ist das keines, aber viel Freude bringt es. Und als Bonus erhält es die Ju- gendlichkeit. Aktuell legt Stootsie mit „Never a Straight Line“ eine lichtdurch- flutete, neue Liedersammlung vor, die er- staunlich sanft ans Ohr brandet. „Der richtig harte Typ war ich ja nie“, gibt Stootsie zu bedenken. Und genau das war die Diskrepanz bei seiner Band Seesaw. „Unsere Alben waren immer gut ausar- rangiert, aber live waren wir eine Prügel- band. Die, die die Platten mochten, waren von unseren Auftritten entsetzt. Und die, die unsere aufgenommene Musik liebten, waren von ihrer Liveumsetzung ent- täuscht.“ Eine kuriose Problematik, an der die Band letztlich zerbrach.

Nach vielen Besuchen in Musikfachgeschäften in aller Welt, ergab sich eine neue Option. 1994 hat er ge- meinsam mit einem Freund in der Salzburger Altstadt, nahe dem Mönchsberglift, ein Musikfachgeschäft eröffnet. Das führt er mittlerweile allein. Es trägt den schmucken Namen Riverside Guitars und lockt auch internationale Größen wie den Jazzgitarristen John Scofield an.

Aber auch heimische Kräfte schauen gern mal bei Stootsie vorbei. Peter Cornelius etwa. „Eigentlich bin ich erst vor einem Jahr draufgekommen, was meinen Gitarrenwahnsinn gestartet hat. Es war tatsächlich Peter Cornelius. Im ORF habe ich eine Homestory über ihn gesehen, da- mals als sein Hit ,Du entschuldige, I kenn di‘ aktuell war. Der saß da auf der Couch und hinter ihm hing eine Gretsch und eine Rickenbacker an der Wand. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass man Gitarren kaufen kann. Damit begannen meine Forschungen.“

„Riverside Tales“ hieß Stootsies letztes Album. Fürs neue war zunächst

Michael Steinitz alias Stootsie: Brian Wilson gesehen – alles erreicht.

„Riviera Tales“ angedacht, weil dort ei- nige Stücke aufgenommen wurden. Warum dann doch der Wechsel zu „Never a Straight Line“? „Am Ende wollte ich wieder vom Logischen abweichen.“

Die wunderbar sanfte Liedersammlung prunkt mit faulen Grooves à la „Sing Me A Lovesong“ und idyllischen Balladen wie „In The Garden“. Stootsie feiert in den Songs seinen entspannten Zugang zum Leben. „Leise ist ja schon länger das neue laut. Mit Lautstärke muss ich längst nichts mehr beweisen.“

Beach Boys-Fan

Von entschieden zarter Anmutung ist auch die Musik der Beach Boys. Deren Mastermind Brian Wilson zählt zu den großen Helden von Stootsie. 2003 hat er ihn sogar mal getroffen. Damals spielte er einige Nummern live im berühmten Trou- badour in West Hollywood, einer Loca-

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ZUR PERSON

Michael Steinitz, besser bekannt als Stootsie, versorgte mit The Seesaw Radiohörer mit eingängigen Indie-Pop- Songs. Seit einiger Zeit ist der Salzbur- ger solo unterwegs, am 28. März er- scheint sein neues Album „Never A Straight Line“. Daneben führt er das Fachgeschäft Riverside Guitars in der Salzburger Altstadt, am Ursulinenplatz.

tion, auf dessen Bühne beinah alle Helden der US-Musik schon einmal standen. Als Stootsie mit Tony Rivers & The Castaways gerade die Beatles-Nummer „I Saw You Standing There” spielten, erblickte er Brian Wilson in einer Loge. „Das war ein Moment. Ich dachte mir, viel mehr muss jetzt gar nicht mehr passieren in meinem Leben.“

Und so war es dann auch. Sein Musik- geschäft in Salzburg funktioniert. „Ich habe nicht einmal ein Riverside-Guitars- Schild. Die Freaks finden mich einfach.“ Früher, als große Plattenfirmen in Öster- reich noch etwas zu sagen hatten, bekam er als Musiker einmal ein Angebot von EMI. „Die haben mir einen Vertrag ange- boten, aber nur, wenn ich auf die deut- sche Sprache umsteige. Das habe ich sein lassen.“